6 Tipps: Arbeitsleben und Kinder

Unsere Tipps, wie man trotz stressigem Arbeitsalltag und vollem Terminkalender einen guten Kontakt zu seinem Kind aufbauen und halten kann.

Viele berufstätige Väter kennen die Situation: Man kommt erschöpft und entnervt vom Büro nach Hause und versucht, die verbleibenden Zeit bzw. das viel zu kurze Wochenende harmonisch mit seinem Kind zu verbringen.

Jeder Vater mit Kind bzw. Kinder weiß: Das ist nicht immer einfach.

Diese Tipps sollen euch helfen, auch mit wenig Zeit einen möglichst guten und intensiven Kontakt mit eurem Sprössling aufbauen zu können.

1. Erwartungen nach unten schrauben und überraschen lassen

Die Erwartungen und Ansprüche, die an die Zeit mit dem eigenen Kind gestellt werden, sind umso höher, je weniger freie Zeit zur Verfügung steht. Das ist nur menschlich, aber dennoch etwas paradox:

Kuscheln; Austausch und Erzählungen, wie der Tag verbracht wurde; welche Ärgernisse es aktuell in der Schule gibt und welches Mädchen / welcher Junge gerade besonders interessant erscheint, gemeinsame Aktivitäten: Das und noch vieles mehr soll in kürzester Zeit, quasi auf „Knopfdruck“, passieren – am Besten harmonisch und ohne Streit.

Es ist aber eher die seltene Ausnahme, dass diese hohen Erwartungen auch tatsächlich erfüllt werden. Schließlich handelt es sich nicht um einen perfekt durchgeplanten Arbeitstag, der Punkt für Punkt abgearbeitet werden soll.

Gerade Kinder brauchen eine entspannte Atmosphäre, um sich wohl zu fühlen und eine Beziehung zum Vater aufbauen zu können – umso mehr, wenn die gemeinsame Zeit knapp bemessen ist.

Es bleibt einem als Vater also nur übrig: Erwartungen runterschrauben und sich überraschen lassen, was passiert. Das mag sich vorerst wie „verschwendete Zeit“ anfühlen; aber nur so kann Raum geschaffen werden für Fragen wie z.B.: In welcher emotionalen Verfassung ist mein Kind? Wie unternehmungslustig ist es momentan? Was bewegt es, was beschäftigt es? Und nicht zuletzt: Wie geht es mir selbst?

2. Zeit geben trotz Zeitmangel

Wenn die Freizeit bzw. Zeit mit dem eigenen Nachwuchs knapp bemessen ist, versucht man, natürlich in bester Absicht, von seinem Kind möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu erfahren.

Das funktioniert zwar (manchmal) bei Geschäftsmeetings, bei Kindern führt das aber definitiv zum gegenteiligen Effekt: Sie fühlen sich „ausgequetscht“ und „schnell abgefertigt“.

Zwar kann die gemeinsam verfügbare Zeit nicht immer ausgedehnt werden; die Zeit die zur Verfügung steht, sollte aber möglichst in entspannter Atmosphäre und ohne Zeitdruck, gewisse Dinge besprechen oder erledigen zu müssen, verbracht werden.

3. Sinnvolle, der Situation angepasste Unternehmungen planen

Gerade wenn die Zeit knapp bemessen ist, sollten gemeinsame Aktivitäten sorgfältig geplant   werden.

Ein Ausflug in den Vergnügungspark oder ins Kino sind definitiv Dinge, die großen Spaß machen können. Es sind aber nicht unbedingt Aktivitäten, bei denen man sich austauschen oder z.B. über anstehende Probleme in der Schule sprechen kann.

Das heißt nicht, dass solche Aktivitäten keinen Sinn machen, im Gegenteil: Sie bringen dann ungetrübte Freude, wenn daneben noch genug Zeit bleibt, um sich in ruhigerer Atmosphäre noch über andere Dinge austauschen zu können.

Ist das nicht der Fall, hat man zwar kurzfristig Spaß zusammen, eventuell anstehende Probleme oder Sorgen sind dadurch aber nicht aufgehoben, sondern eben nur aufgeschoben.

4. Bewusst Zeit ohne Aktivitäten einplanen

Genau aus den genannten Gründen von Punkt 3 ist es wichtig, Zeit einzuplanen in denen gar keine Aktivität geplant ist – was nicht automatisch bedeutet, dass auch tatsächlich nichts passiert. Aber nur so können auch spontane Impulse ausgelebt werden – beispielsweise ein gemeinsamer Spaziergang, eine Diskussion, gemeinsam Musik machen oder ein „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Abend – je nachdem, in welcher Verfassung sich man selbst und sein Kind fühlt.

5. Auch negative Gefühle zulassen

Wer wenig Zeit für sein Kind hat, will eines nicht: Streit, negative Emotionen oder heftige Diskussionen. Aber seid euch bewusst: Ein Kind ist ein Kind und kein kleiner Erwachsener, der seine Gefühle immer im Griff haben kann oder sollte. Vielmehr brauchen gerade Kinder auch einen „Reibebaum“, an dem negative Gedanken und Emotionen abgebaut werden können. Für eine gesunde emotionale Entwicklung eures Kindes bleibt es euch also nicht erspart, auch diese Seiten kennen zu lernen. Leichter fällt es vielleicht dennoch, wenn man darauf vorbereitet ist und weiß, dass solche Tage/Phasen langfristig gesehen eine Vater-Kind-Beziehung auch stärken können, sofern gewisse Grenzen gezogen und nicht überschritten werden.

6. Sein Kind auch an den eigenen Emotionen teilhaben lassen

Aber nicht nur die Gefühlsausbrüche der eigenen Kinder gehören zu einer lebendigen Beziehung zum Kind – auch die eigenen Emotionen können und sollen ihren Platz haben. Ein guter Vater zu sein bedeutet nicht unbedingt, zu jeder Tages- und Nachzeit ein gut gelaunter Freund zu sein. Auch als Vater kann man seinem Kind unterschiedliche Gefühlszustände „zumuten“, sofern gewisse Grenzen eingehalten werden. So darf auch ein Kind mitbekommen, dass man als Vater nach einem anstrengenden Arbeitstag geschlaucht ist oder man sich über dieses oder jenes geärgert hat. Kinder sind zwar ohnehin oft sehr sensibel und „spüren“, wie es dem eigenen Vater geht. Es fällt Kindern aber wesentlich leichter, das „Gespürte“ richtig einzuordnen, wenn darüber gesprochen wird, woher diese Gefühle kommen. Das schafft darüber hinaus das für Kinder so wichtige Gefühl, Ernst genommen zu werden und schafft zusätzlich Vertrauen in die Beziehung Vater – Kind.